
Da sind wir wieder. Zeit für ein Statement. Ich stolpere auf Facebook über Vera F. Birkenbihl und ihre energisch und perfide logisch dargebotene Unterscheidung zwischen "Gleichberechtigung der Geschlechter" und "Gleichheit der Geschlechter". Heißes Eisen...und eigentlich etwas, aus dem ich mich lieber geflissentlich heraushalte, denn ich umgebe mich im täglichen Leben ja viel lieber mit starken, selbstbewussten und spannenden Frauen als mit hübsch anzusehenden Mädchen ohne Story, und die straighten Ladies werden mich ohne zu zögern am nächsten Busch aufknöpfen, wenn ich ihre Sache verrate. Aber manchmal muss es eben raus! Seht es mir nach, ich küsse demütig den Staub auf dem Ihr wandelt...
Immer wieder wird diskutiert, ob wir Frauenquoten brauchen. In der aufstrebenden Wirtschaft, in gebeutelten Parteien, in verantwortungsvollen Gremien aller Art, kritisierten Aufsichtsräten, erneuerten Parteivorständen, ortsüblichen Vereinen. Der ADAC wird vor einigen Wochen erst an den Pranger gestellt, weil der neue, unsensibel gebildete, Vorstand nur aus (überwiegend grau melierten) Herren besteht, als hätte Österreichs Fendrich den Song nur für sie geschrieben. Auf der anderen Seite beschwert sich aber niemand darüber, dass in deutschen Gefängnissen ca. 60.000 Männer einsitzen, aber nicht mal 5.000 Frauen. Es scheint also doch signifikante Unterschiede der Geschlechter zu geben, die über biologisch notwendige Ausfahrbarkeit des einen und Aufnahmefähigkeit des anderen Fortpflanzungsorgans hinausgehen dürfte. Wie es bei Rammstein heißt :"Meins ist Deins und das in Dir". Enough said.
Natürlich könnte es auch sein, dass Frauen grundsätzlich weniger aggressiv oder kriminell veranlagt sind. Aber dem aufmerksamen, reflektierenden Beobachter drängt sich bei den nicht selten verstörenden Geschehnissen auf der Welt, oder, sofern ICH persönlich es aus eigener Erfahrung beurteilen kann, den zu verteilenden Dellen im Deckel des emotionalen Grundgerüsts zwischenmenschlichen Direktkontakts, schon ab und an der Gedanke auf, dass nicht nur, ganz zwangsläufig, Gott eine Frau sein MUSS, sondern dass Frauen die oberste Regel im täglichen Leben einfach besser beherrschen als wir Männer. Jene Regel, die ich meinen Kindern schon seit Kindesbeinen (auf denen sie allerdings immer noch stehen) einbläue : NICHT ERWISCHEN LASSEN!
Offenbar werden Frauen weniger oft erwischt. Sie sind also clever. Offenbar auch um den Faktor 12 cleverer als wir Männer. Aber wenn sie doch so clever sind, warum machen dann nicht viel mehr voranstrebende Exemplare von ihnen Karriere? Im Ernst wegen dieser bösen dummen widerlichen Männer, von denen sie erzählen, die Ihnen den Weg nach schräg oben und vorn versperren? Den ewig gestrigen Penisträgern, die an alten, starren Formen festhalten, die unflexibel reagieren, die Gleichberechtigung der Frau nicht verinnerlichend akzeptieren und mental noch in den 50gern stecken? Den Dummbatzen, die in Vorstellungsgesprächen nur auf die nett drapierten Brüste ihres Gegenübers starren und sich ganz andere Dinge vorstellen, als die sich Vorstellende? Klar. Auch. Ist schon was dran. Und da wird es sicher noch viel Aufarbeitungsbedarf geben. Unbestritten. Don´t hit me.
Aber es nehmen sich auch dreimal weniger deutsche Frauen das Leben, als Männer. Na sowas. Sie kommen also erstens besser mit dem täglichen Druck klar (eine der häufigsten Ursachen, soweit man weiß, ist beruflich und privat generierter Stress und nicht etwa die zu Unrecht viel geschmähte Männergrippe, die ihrerseits nur ein verzweifelter, subtiler Klagelaut des gebeutelten Mannes in Richtung des ihn ignorierenden weiblichen „gleichberechtigten Partners" ist, gleichsam dem letzten Röchzen eines angeschossenen Alphatiers allein in weiter Steppe.) und sind zweitens schlicht und einfach nicht so oft in der Schusslinie. Denn da haben sie, die listigen Amazonen der Neuzeit, schlau wie sie sind, die arg- und wehrlosen Männer platziert.
Es ist der Mann, es ist Clint Eastwood, der in "In the line of fire" neben dem Wagen her läuft und sich die Kugel einfängt, nicht Rene Russo, nicht wahr? Ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass viele Frauen sich in der zweiten Reihe mit großem Genuss niederlassen, die Geschicke des großen Ganzen subtil, geschickt und insgeheim souverän lenken. Frei nach dem Motto "Ist doch mir egal, wer unter mir Chef ist!" Sie kriegen was sie wollen, setzen um, was ihnen wichtig ist. Und wenn alles schiefgeht, ist es nicht IHR Kopf, der in der frisch geknoteten Bio-Sisal-Schlinge steckt, sondern der selbstverschuldet eingebrachte Testosteronschädel des image- und prestigegeilen Mannes, der dafür nun bezahlt.
Tja. Wilde Theorie, ich weiß. Und perfekt geeignet, nun meinen eigenen verqueren Schädel, aufgelötet auf die Hellebarde des gülden veredelten Östrogens durch die feminisiert verklärten Straßen der Metropole "Egalité", jener aufstrebenden Kommune, malerisch zwischen den mächtigen Strömen Thermomix und Kajal am Fuß der Flügelbinde gelegen, zu tragen. Aber warum sollte es in der Wirtschaft, in Vereinen, in Kommunen, etc. anders zugehen, als in der gelebt konkreten Beziehung zwischen Mann und Frau, der Keimzelle der Gesellschaft? Dem medien- und politikgetriebenen Ground Zero der Negierung des Unterschieds der Geschlechter?
Niemand, der in freiheitlich demokratischen Grundwerten cocoont die Mutterbrust gezutzelt hat und von klarem Verstand ist, wird die Gleichberechtigung von Mann und Frau ernsthaft in Frage stellen. Oder ihren Anspruch auf Chancengleichheit. Zumindest in Deutschland und den meisten westlichen Ländern ist das ja auch gelebter Standard.
Aber wir sind tatsächlich so etwas von herrlich verschieden und ungleich! Das macht es doch so spannend und aufregend! Aber natürlich nur, wenn man nicht unterhalb der Gürtellinie und oberhalb der Halskrause schon tot, verspinnwebt und reihen-end-häuslich eingemeindet ist. Das werden alle elite-partnerigen Grinsegesichter der flachbildrigen Wohnzimmerberieselung nicht ändern. Danke Algorhythmus! Für gar nix…
Das birgt echte Schwierigkeiten für hoffnungslose Romantiker wie mich, immer auf der Suche nach einer gleichberechtigten, gerne nonkonformen, nur scheinbar unperfekten wabi-sabi-Personifikation, einer aufrichtigen und aufregenden Frau mit dem Wunsch nach einem Mann (keinem Partner) an ihrer Seite, die mich auch mit meinen Schwächen lieben kann (sobald ich welche finde, sage ich Bescheid), denn zusätzlich bin ich im Gegenzug zutiefst verschreckt und abgestoßen von "ebenbürtigen Partnerinnen", die die Instagramm-Tinder-Wegwischbewegung verinnerlicht haben und oberflächlich sondierend ihre semi-parshippigen Algorhythmen anwenden, um ihr eigenes mainstreamiges Lebensziel zu verwirklichen, jederzeit bereit, aus "für jedermann nachvollziehbaren Gründen" schreiend das Weite zu suchen und ihr perfides Süppchen zu kochen. Aber wir, die letzten unserer Gattung, geben nicht auf. Wir stecken nur unsere Köpfe immer seltener und mit deutlicher Tendenz immer weniger weit aus den Löchern, in die wir uns zum Wunden lecken verzogen haben.
Doch entgegen einer meiner früheren Behauptungen muss das Licht am Ende des Tunnels nicht zwingend ein entgegenkommender Zug sein. Es kann auch mit etwas Glück mal ein glücklich und planlos auftauchender Persiidenherd sein, wie Claire Danes im „Sternwanderer“ hinreißend unangepasst und hell leuchtend, dramatisierend und mit Kawumm! direkt neben Dir unerwartet einschlagend. Was soll ich sagen? Sieht gut aus....
